25. Oktober 2022 Tim

MDR Auslandsstudio Prag mit dem SRT-Protokoll angebunden

Mit dem ARD-Studio Prag hat der Mitteldeutsche Rundfunk seinen ersten Auslandsstandort mit Hilfe des SRT Protokolls über eine normale Internetverbindung angebunden. Zwischen Prag und Leipzig können nun Videomaterialen flexibel, kostengünstig und in Echtzeit übertragen werden. Eine alternative Videoanbindung wäre nur über eine teure Satelliten- oder dedizierte Leitung möglich gewesen.

Um SRT Übertragungen zum MDR überhaupt zu ermöglichen, wurde der Leipziger Programmstandort bereits im Sommer 2021 mit einem vier-kanaligen Haivision F-MB6X-RAC De- und Encoder ausgestattet. Der MDR Hauptschaltraum kann damit bis zu vier SRT Signale im Format 1080i25 bzw. 1080p50 parallel empfangen und abgeben. Die Integration eines Haivision Makito X Pärchens im ARD Auslandsstudio Prag erfolgte dann im Mai 2022. Als Integrationspartner unterstützte die MCI bei der Einrichtung des SRT Gateways in Leipzig und begleitete erste Funktionstests.

Bereits im Januar 2021 führte MCI, zusammen mit seinem Partner Haivision, und dem NDR einen ersten PoC zur SRT Anbindung von Auslandsstudios durch. Durch den Einsatz des SRT-Protokolls konnte über die Interkontinentalverbindung „Hamburg – Tokio – Hamburg“ sogar eine Latenz von nur 24 Bildern, also 960 ms gemessen werden. Übertragungszeiten von unter 1 Sekunde sind wesentlich kürzere Signal-Laufzeiten als bei vergleichbaren SNG-Übertragungen.

“Das SRT Protokoll bietet beste Qualität zum vergleichsweise günstigen Preis, mit maximal flexiblen Anwendungsmöglichkeiten für den täglichen Rundfunkalltag und ist dabei weniger störungsanfällig als herkömmliche Übertragungsformen“, so Alex Knoll, Sales Director DACH, Haivision.

„Die wachsende SRT Community, die sich seit einigen Jahren in der SRT Alliance formiert, zeigt wie stark die Nachfrage nach alternativen Übertragungsformen ist. Unser Partner MCI hat sich hier bereits früh engagiert und durch verschiedene PoCs und Projekte geholfen die SRT Übertragung im Broadcast Umfeld zu etablieren. Uns macht es sehr stolz, dass der MDR, als erste Öffentlich-Rechtliche Rundfunkanstalt, das SRT Protokoll über Haivision Komponenten zukünftig für seine Berichterstattung nutzen wird.“

Durch den Einsatz von Content-Delivery-Netzwerken für SRT-Streams lassen sich weltweit Standorte in einer Bildqualität von 4:2:2 10 Bit unter einer Sekunde miteinander verknüpfen. Dabei ist die Übertragung wesentlich kostengünstiger als dafür eine dedizierte Leitung oder eine Satellitenstrecke zu verwenden.

Lasse Bickelmann, Solutions Architect MCI: “Der offene Protokollstandard SRT bietet neben einer latenzfreien Übertragung von Audio/Video Formaten in Broadcast Qualität über das öffentliche Internet vergleichsweise wenig Konfigurationsaufwand und ist schnell etabliert.“

Durch die problemlose Anbindung verschiedenster Quellen können externe Dienstleister ihr Content sicher über das Internet an das Übertragungsnetz des MDR liefern. Die Übertragungssicherheit von SRT-Streams kann zusätzlich noch einmal erhöht werden, indem man den Dual-Path Modus anwendet. Dabei wird der SRT-Stream über zwei verschiedene Routen gleichzeitig gesendet. Die Datenpakete, die zuerst beim Empfänger ankommen, werden verwendet. Sogar die Übertragung von Quellen wie Consumer-Kameras oder Smartphones ist dadurch problemlos möglich.

„Es lassen sich SRT Streams von vielfältigen Quellen ins Übertragungsnetz einbetten und bieten so, speziell auch im Bereich der aktuellen Berichterstattung und des User Generated Contents, flexible Möglichkeiten“, so Lasse Bickelmann weiter.

User Generated Content gewinnt auch im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen an Bedeutung. Das Konsumverhalten im Broadcast Bereich verändert sich durch Social Media und Streamingdienste stark. Auch die Forderung nach schneller und aktuellerer Berichterstattung wächst weiter.

Mit der Investition des MDR in die neue Übertragungsform sehen sich Haivision und MCI in ihren Bemühungen bestätigt das SRT Protokoll als neuen Übertragungsstandard zu etablieren und die Zukunft der modernen, cloudbasierten Signalübertragung und die Zukunft des Fernsehens neu erlebbar zu machen.